M390
M390 ist einer der bekanntesten Premium-Messerstähle unserer Zeit – und ein Stahl mit österreichischen Wurzeln. Hier die wichtigsten Fakten:
Herkunft: M390 („Microclean") stammt vom österreichischen Edelstahlhersteller Böhler aus Kapfenberg in der Steiermark und wird pulvermetallurgisch hergestellt. Entwickelt wurde er Ende der 1980er-Jahre (Patentanmeldung 1989) ursprünglich gar nicht für Messer, sondern für die Kunststoffindustrie, wo Werkzeuge gleichzeitig verschleißfest und rostfrei sein müssen. Er gehörte zu den frühesten rostfreien Pulverstählen überhaupt, fand aber erst Jahre später den Weg in die Messerwelt: Zunächst bei einzelnen europäischen Custom-Messermachern (etwa Dietmar Kressler, 1999), um 2010 dann der Durchbruch bei großen Serienherstellern wie Benchmade und Kershaw. Heute zählt er zu den verbreitetsten Stählen in hochwertigen Taschenmessern.
Zusammensetzung: M390 besteht aus folgenden Hauptelementen:
Kohlenstoff (C): ca. 1,90 %
Chrom (Cr): ca. 20,0 %
Vanadium (V): ca. 4,0 %
Molybdän (Mo): ca. 1,0 %
Silizium (Si): ca. 0,70 %
Wolfram (W): ca. 0,60 %
Mangan (Mn): ca. 0,30 %
Für Sammler interessant: M390 war so erfolgreich, dass er gleich zweimal nahezu identisch nachgebaut wurde – als CPM-20CV (ursprünglich von Latrobe, heute Crucible) und als CTS-204P (Carpenter). Wer auf einer Klinge einen dieser Namen liest, hat praktisch einen „M390-Zwilling" in der Hand. Dazu gibt es mit M390MK eine exklusiv für Microtech angepasste Variante und mit M398 einen noch schnitthaltigeren Nachfolger.
Härte: in Messern meist 60–62 HRC.
Zähigkeit: eher gering – deutlich unter zäheren Pulverstählen wie S35VN oder MagnaCut. Für Taschenmesser und normale Schneidarbeiten völlig ausreichend, für sehr dünne Schneiden unter harter Belastung oder grobe Outdoor-Arbeiten (Hebeln, Hacken) aber nicht die erste Wahl.
Schnitthaltigkeit: die große Stärke von M390 – im CATRA-Test klar über S30V und ein Vielfaches über klassischen Stählen wie 440C oder VG-10.
Korrosionsbeständigkeit: sehr gut – besser als S30V, S35VN oder der japanische Pulverstahl SG2. Nur Spezialisten wie LC200N oder MagnaCut liegen noch darüber.
Praktische Einordnung: M390 ist seit Jahren so etwas wie der Maßstab unter den Premium-Taschenmesserstählen: extrem lange scharf, sehr rostträge und lässt sich zudem schön auf Hochglanz polieren. Überraschend: Obwohl er so lange schneidhält, lässt er sich etwas leichter nachschärfen als manch vergleichbar schnitthaltiger Stahl, weil ein Großteil seiner Karbide aus weicheren Chromkarbiden besteht. Der Kompromiss liegt bei der Zähigkeit – wer ein robustes Arbeitsmesser für grobe Einsätze sucht, ist mit MagnaCut oder S35VN besser bedient. Für den Alltag im Hosensack ist M390 dagegen ein nahezu idealer Stahl.
