Sleipner
Sleipner ist unter Messerfreunden noch ein eher unbekannter Name: ein moderner schwedischer Werkzeugstahl, der als verbesserter Nachfolger des Klassikers D2 gilt. Die wichtigsten Fakten:
Herkunft: Sleipner wird vom traditionsreichen schwedischen Stahlhersteller Uddeholm produziert, der heute zum Linzer voestalpine-Konzern gehört. Der Name stammt aus der nordischen Mythologie: Sleipnir ist das achtbeinige Pferd des Gottes Odin. Ursprünglich wurde Sleipner als Kaltarbeitsstahl für den Werkzeugbau entwickelt, mit dem Ziel, die Schwächen des klassischen D2 auszugleichen. Im Messerbau bekannt wurde er vor allem durch den italienischen Hersteller LionSteel, der ihn in vielen Taschen- und Outdoor-Messern verwendet.
Zusammensetzung: Sleipner besteht aus folgenden Hauptelementen:
Kohlenstoff (C): ca. 0,90 %
Chrom (Cr): ca. 7,8 %
Molybdän (Mo): ca. 2,5 %
Vanadium (V): ca. 0,5 %
Silizium (Si): ca. 0,9 %
Mangan (Mn): ca. 0,5 %
Für Sammler interessant: Mit rund 8 % Chrom enthält Sleipner deutlich weniger Chrom als D2 (ca. 12 %). Das ist Absicht, denn dadurch entstehen weniger und feinere Karbide, was die Klinge zäher macht und das Schärfen erleichtert.
Härte: erreichbar sind 60–64 HRC, bei Messerklingen meist um die 60–62 HRC.
Zähigkeit: spürbar besser als bei D2. Sleipner bricht an der Schneide weniger leicht aus und eignet sich daher gut für robuste Gebrauchsmesser.
Schnitthaltigkeit: etwa auf dem Niveau von D2 und damit über klassischen rostfreien Stählen wie 440C.
Korrosionsbeständigkeit: Sleipner ist nicht rostfrei. Bei normaler Pflege ist das im Alltag unproblematisch, an feuchte Umgebungen kommt er aber nicht an rostfreie Stähle wie 440C, VG-10 oder MagnaCut heran. Viele Hersteller beschichten die Klingen deshalb.
Praktische Einordnung: Sleipner ist eine Art „D2, nur besser“: ähnliche Schnitthaltigkeit, dafür zäher und leichter zu schärfen. Wer ein robustes Outdoor- oder Alltagsmesser sucht und die Klinge nach Gebrauch kurz abwischt, bekommt einen sehr ausgewogenen Stahl. Abseits von LionSteel ist er allerdings eher selten anzutreffen.
